
1700 Jahre Konzil von Nizäa
Das Konzil von Nizäa wurde 325 vom römischen Kaiser
Konstantin dem Großen einberufen. An dieser bedeutenden Kirchenversammlung
haben wahrscheinlich rund 300 Bischöfe teilgenommen und Entscheidungen
getroffen, die maßgeblichen Einfluss auf die weitere Kirchengeschichte haben
sollten.
Eine zentral diskutierte Frage war die nach dem göttlichen
und menschlichen Wesen der Person Jesu. Hier konnte ein Konsens im sogenannten
„Nizänischen Glaubensbekenntnis“ formuliert werden, das beim Konzil von
Konstantinopel 381 in Bezug auf den Heiligen Geist nochmals erweitert wurde. Es
erfolgte eine Klärung zentraler Lehren des christlichen Glaubens zur Person
Jesu und zur Dreieinigkeit Gottes (Trinität), die bis heute von allen großen christlichen
Konfessionen anerkannt sind.
Konstantin hatte sich dem christlichen Glauben zugewandt und
war bemüht, die schon damals sehr unterschiedlichen Ausprägungen des
Christentums zu einen. Beim Datum des Osterfestes gab es bis dahin
unterschiedliche Auffassungen, lange orientierten sich die damaligen Christen am
jüdischen Pessachfest. Das Konzil von Nizäa legte hingegen fest, dass Ostern
einheitlich nicht mehr nach dem hebräischen, sondern nach dem julianischen
Kalender zu berechnen und an einem Sonntag zu feiern sei.
Abgrenzung zum jüdischen Erbe
Es erfolgte jedoch nicht nur die formale Festlegung eines
Feiertagskalenders, sondern auch eine bewusste Abgrenzung zum jüdischen Erbe. Historisch
gut belegt ist, dass Konstantin, viele Kirchenväter und Bischöfe, also einflussreiche
Persönlichkeiten und Autoren des Frühchristentums, eine antijüdische Haltung
vertraten. Die rasche Ausbreitung des christlichen Glaubens hatte in den ersten
Jahrhunderten dazu geführt, dass die an Jesus Gläubigen überwiegend
Heidenchristen waren. Die Zerstreuung der Juden in die ganze Welt nach der
Zerstörung Jerusalems und des Tempels 70 n. Chr. beschleunigte zudem den
Prozess der Entfremdung des Heidenchristentums vom Judentum. Es etablierte sich
die sogenannte „Ersatztheologie“ („Substitutionstheologie“). Viele Gläubige
verstanden sich selbst als das neue „wahre” Israel, weil ihrer Ansicht nach das
israelitische Volk aufgrund seines Ungehorsams und der Nichtannahme des Messias
von Gott verworfen worden wäre. Deshalb grenzte sich die frühe Kirche nach und
nach bewusst zum jüdischen Erbe ab. Konstantin hatte bereits 321 den Sonntag
zum öffentlichen Ruhetag erklärt, der Sabbat als wöchentlicher Feiertag sollte
für Christen keine Rolle mehr spielen.
Insofern geschah beim Konzil von Nizäa eine bedeutsame
Weichenstellung in der Beziehung zwischen Juden und Christen, die eine tiefe Kluft
zwischen beiden Religionen bewirkte. Denn die antijüdische Haltung seitens der frühen
Kirche fand eine Fortsetzung in vielen, die Juden diskriminierenden Aussagen
und Entscheidungen weiterer Konzilien und Synoden. Der christliche
Antijudaismus hat in Europa über Jahrhunderte hinweg den geistigen Nährboden dafür
geschaffen, die Juden gesellschaftlich an den Rand zu drängen, zu
diskriminieren, auszuweisen, zu verfolgen und in letzter Konsequenz zu töten. Erst
der Holocaust hat im 20. Jahrhundert eine Korrektur dieser antijüdischen
Sichtweise bewirkt.
Fazit
Einerseits brachte das Konzil von Nizäa positiv eine Klärung
wichtiger Glaubensfragen, auf die wir heute dankbar zurückblicken dürfen. Andererseits
wurde eine bewusste Abwendung vom jüdischen Erbe vollzogen.
Zwar haben im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Vertreter
des Christentums auf die bleibende Berufung des jüdischen Volkes aufmerksam
gemacht, sie blieben aber eine kleine Minderheit. Erst seit Beginn des 20.
Jahrhunderts wird vermehrt wieder neu die fortwährende geistliche Bedeutung
Israels wahrgenommen – insbesondere in der weltweiten Pfingstbewegung, aber
auch in den charismatischen Bewegungen und Aufbrüchen der traditionellen
Kirchen.
Eine Möglichkeit, auf diese Entwicklungen und Erkenntnisse
zu reagieren, ist Gebet. Folgende Anliegen sind in Anlehnung an eine Initiative der Internationalen
Christlichen Botschaft Jerusalem formuliert und können im persönlichen
oder gemeinschaftlichen Gebet verwendet werden.
Gebetsanliegen zu 1700 Jahre Konzil von Nicäa
Erinnern und Buße
tun:
+
diesen Wendepunkt der Kirchengeschichte verstehen und
erkennen, welchen Segen und welche Flüche dieses Konzil brachte.
+
um Vergebung bitten, wo die Kirche versagte und gegen
das Volk gesündigt hat, das uns den Messias und das Wort Gottes gab.
Versöhnung:
+
dass Gott weiterhin Versöhnung zwischen Christen und
Juden schenkt, und dass immer mehr Christen das jüdische Volk und Israel aktiv
unterstützen.
Wiederherstellung:
+
dass unser Gott nach Maleachi 3,24 die Herzen der Väter
(des jüdischen Volkes) zu den Kindern (der heidnischen Kirche) und die Herzen
der Kinder (der heidnischen Kirche) zu den Vätern (des jüdischen Volkes)
bekehrt.
Karl Klanner – Juli 2025
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