Gottes Bund mit Abraham – ein Segen für alle Völker

Das erste Buch der Bibel berichtet ab dem 12. Kapitel über
die Berufung Abrams. Er ist ein Nachkomme Sems und Sohn des Terach, der nach
jüdischer Tradition Götzenbilder anfertigte. Abram lebt in Ur in Chaldäa (im
Süden des heutigen Irak gelegen) und nimmt den Ruf Gottes an. Er zieht nach
Haran (heute Stadt Harran in der Südosttürkei) und später in das Land Gosen (in
Ägypten im östlichen Nildelta). Gott verheißt ihm, dass er der Stammvater eines
großen Volkes und ein Segen für alle Geschlechter auf Erden werden wird. Damit
verbunden sollen alle, die ihn segnen, auch gesegnet und alle, die ihn
verfluchen, auch verflucht werden (1 Mose 12,1-3).

Gott schließt mit Abram vor rund 4000 Jahren einen Bund. Wie
damals üblich werden Tiere getötet, zerteilt und – mit Ausnahme der Vögel –
gegenüber aufgelegt: eine Kuh, eine Ziege, ein Widder, eine Turteltaube und
eine junge Taube (1 Mose 15,7-12;17-18). Diese Symbolik macht die
Ernsthaftigkeit eines solches Bundes deutlich, denn wer sich nach dem damaligen
Verständnis nicht an diese Abmachung hält, dem ergeht es wie den Tieren.
Raubvögel fallen auf die toten Tiere und werden von Abram verscheucht. Danach
schläft er tief und Schrecken und Finsternis überfallen ihn – ihm wird wohl
klar, wieviel Leid mit dieser Berufung verbunden sein wird. Die Raubvögel
können als Symbol für das Böse und böse Mächte gedeutet werden. Es ist
schließlich Gott selbst, der durch diese Stücke als „rauchender Ofen” und
„Feuerfackel” hindurchfährt und sich verpflichtet, diesen Bund zu halten (Hebr
6,13). Gott gibt ihm große Verheißungen und stellt fast keine Forderungen. Nur
die Beschneidung der männlichen Neugeborenen muss von den Israeliten am achten
Tag als Zeichen des Bundes durchgeführt werden (1 Mose 17,10-13).

Der Herr fordert schließlich von Abraham, in das Land bzw.
zum Berg Morija zu gehen und dort seinen Sohn Isaak zu opfern. Morija ist nach
der jüdischen und christlichen Tradition der heutige Tempelberg in Jerusalem.
Abraham ist zur Opferung seines Sohnes bereit und wird daran im letzten Moment
durch einen Engel gehindert. Es ist anzunehmen, dass ihm bewusst war, welch
große Bedeutung die Opferung Isaaks bzw. dieser Bund für die Erlösung der
ganzen Menschheit haben sollte. Jesus sagt selbst zu den Juden, dass ihr Vater
Abraham darüber gejubelt hat, seinen Tag zu sehen: „und er hat ihn
gesehen und sich darüber gefreut” (Joh 8,56 MENG). Wie Abraham Isaak auf einem
Altar mit Brennholz opfern will, so wird Jesus viele Jahrhunderte später am
Kreuz als Opfer zur Erlösung der ganzen Menschheit in unmittelbarer Nähe zum
Tempelberg geopfert. In gewisser Weise kann deshalb der Bund Gottes mit Abraham
als Grundlage für die weiteren Bünde Gottes mit Israel gesehen werden.

Karl Klanner
Jänner 2026