Gottes Bund mit Mose – das Gesetz
Gott schließt mit den Nachfahren Abrahams, dem israelitischen Volk, einen weiteren Bund. Nach dem Auszug aus Ägypten steigt Mose auf den Berg Sinai und erhält von Jahwe folgende Weisung: »So sollst du zum Hause Jakobs sprechen und den Kindern Israels verkündigen: ›Ihr habt selbst gesehen, was ich an den Ägyptern getan und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch hierher zu mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr meinen Weisungen willig gehorcht und meinen Bund haltet, so sollt ihr aus allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde; ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.‹ Das sind die Worte, die du den Israeliten verkünden sollst.« (2 Mose 19,3-6 MENG)
Jahwe zeigt dem jüdischen Volk seine Macht beim Auszug aus
Ägypten und beruft die Israeliten, ein „Königreich von Priestern und ein
heiliges Volk“ zu sein. Das Herzstück des Bundes mit Mose sind die zehn Gebote
– auch „Dekalog” genannt (2 Mose 20 und 5 Mose 5). Traditionell werden die
zehn Gebote in zwei Bereiche unterteilt und dargestellt. Die ersten drei
betreffen die Beziehung des Menschen zu Gott, die weiteren Gebote beziehen sich
auf das zwischenmenschliche Zusammenleben. Interessanterweise ist das vierte
Gebot, nämlich Vater und Mutter zu ehren, mit der Verheißung eines langen
Lebens verbunden.
Der Bund am Sinai beinhaltet also konkrete Pflichten für das
israelitische Volk gegenüber Gott und den Mitmenschen. Zu den zehn Geboten
kommen noch weitere Bestimmungen und Vorschriften: zum Gottesdienst, über die
Feste, zur Reinheit, Beschneidung sowie zum Sabbat. Deren Befolgung ist je nach
Treue oder Untreue mit Segen oder Unheil verbunden.
Für den einzelnen Israeliten ist aufgrund des mosaischen
Bundes somit klar, welches konkrete Verhalten moralisch richtig oder falsch
ist. Erst durch das „Gesetz“ wird – mit den Worten des Apostels Paulus etwas
anders formuliert – die Erkenntnis von Sünde möglich (Röm 3, 20). Aus der Sicht
des Neuen Testamentes sind diese Gebote ein Lehrmeister und Erzieher auf den
hin, der als Messias kommen und die Gläubigen vom Fluch des Gesetzes befreien wird.
Die zehn Gebote sind bis heute ein gemeinsames Fundament des jüdischen und
christlichen Glaubens; sie haben seit vielen Jahrhunderten einen enormen
Einfluss auf die gesamte westliche Zivilisation.
Der Gott der Bibel schließt mit seinem Volk Israel jedoch
noch weitere Bünde. Fortsetzung folgt!
Karl Klanner
Symbolfoto Canva KI-generiert

