Gottes Feste – biblisch und aktuell betrachtet

Die biblischen Festversammlungen sind im Leben des jüdischen Volkes, sowohl im alten Israel als auch in der Gegenwart, von großer Bedeutung und wie beim christlichen Kirchenjahr in einen jährlichen Zyklus eingebettet. Im dritten Buch Mose teilt Gott Mose mit, welche Feste das Volk Israel feiern soll, und nennt diese „meine Feste“ (3 Mo 23,2 MENG). Das hebräische Wort lautet dafür „mo‘ed“ und meint eine „festgesetzte Zeit“ oder einen „festen Termin“ – also einen Zeitpunkt, zu dem Gott die Gemeinschaft mit seinem Volk sucht. Als erstes Fest wird der Sabbat als Ruhetag zu Ehren Gottes genannt; weiters werden Passah, das Fest der ungesäuerten Brote, die Darbringung der Erstlingsgarbe, das Wochenfest (Schawuot), das Posaunenfest, der Versöhnungstag und das Laubhüttenfest (Sukkot) erwähnt.
Im Judentum finden deshalb jährlich drei große Wallfahrtsfeste statt, nämlich Passah oder Pessach, Schawuot und Sukkot. In biblischen Zeiten pilgerten die Juden zum Tempel nach Jerusalem. Interessant ist für uns Christen heute, dass die ersten beiden Feste aus neutestamentlicher Sicht bereits als erfüllt betrachtet werden können.
Beim Pessachfest wird des Auszugs des israelitischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten gedacht. So wie die Israeliten ein Lamm schlachten und das Blut an die Türpfosten streichen mussten, damit bei der letzten Plage gegen den Pharao die männlichen Erstgeborenen nicht getötet wurden (hebräisch pessach = vorübergehen), so wurde Jesus als das Lamm Gottes (Joh 1,29.36) ans Kreuz geschlagen, um für die Schuld der ganzen Menschheit zu sterben (Jes 53,5).
Schawuot (Wochenfest) findet 50 Tage nach dem Pessachfest statt und ist ein Erntedankfest für die Gerste und den Weizen, bei dem der Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai gefeiert wird. Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu erfolgte beim Schawuot-Fest die Ausgießung des Heiligen Geistes und somit der Beginn der christlichen Gemeinde. „Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. […] Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.” (Apg 2,2-4 MENG). In seiner Pfingstpredigt stellte Petrus fest, dass sich aufgrund dieser Zeichen – Gottes Geist wurde über alles Fleisch ausgegossen – die Aussagen des Propheten Joel (Kapitel 3) erfüllt hatten.
Wie lässt sich das Laubhüttenfest nun in unseren Tagen deuten? Fortsetzung folgt!
Karl Klanner
Foto Feier an der Westmauer – Canva-KI-generiert