Alter und neuer Bund

Nach einer Betrachtung der Bünde Gottes mit Abraham, Mose, David und dem neuen Bund stellt sich für uns Christen die Frage, welcher Bund nach dem Kommen Jesu nun der alte ist. Jesus selbst nimmt beim letzten Abendmahl den Kelch und spricht im Blick auf seinen eigenen Tod: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.” (Lk 22, 20 MENG).

Zahlreiche Schriftstellen des Neuen Testamentes bringen zum Ausdruck, dass der mosaische Bund und die damit verbundene Gesetzgebung (Tempelkult, Reinheitsvorschriften, …) durch den neuen Bund ersetzt wurden. Jesus sagte, dass er gekommen ist, das Gesetz zu erfüllen (Mt 5,17; Gal 3,10; Jak 2,10). Er hat als einziger Mensch das Gesetz erfüllt. Im neuen Bund sind dem Gläubigen – Juden wie Heiden – die Gebote ins Herz geschrieben und können mit Gottes Hilfe, mit der Kraft des Heiligen Geistes gehalten werden.

Der Tod Jesu hat bewirkt, dass auch die Heiden Zugang zu den Verheißungen Gottes an das Volk Israel erhalten. Paulus erinnert daran, dass die Heiden als Unbeschnittene vorerst der Gemeinde Israel fremd und vom Bund der Verheißung ausgeschlossen waren, durch das Blut Jesu jedoch nicht mehr „Fremdlinge“, sondern „Gottes Hausgenossen“ geworden sind (Eph 2,12-15.19 MENG).

Wie stellt sich die Situation bei den weiteren Bünden dar? Der Bund mit Abraham betrifft das jüdische Volk, geht aber weit darüber hinaus. Gott verheißt Abraham, dass er dazu bestimmt ist, der Stammvater vieler Völker zu werden (1 Mose 17,4-5). Der Bund mit David bezieht sich auf König David als historische Persönlichkeit, aber auch auf einen Messias, der das Haus von Jakob ewig regieren wird (z.B. Hes 37,24-28; Lk 1,32-33).

Somit kann festgehalten werden, dass nur der Bund mit Mose und die damit verbundene Gesetzgebung durch den neuen Bund – durch das Kommen und den Tod Jesu – ersetzt wurde. Die anderen Bünde sind jedoch weiterhin relevant und heilsgeschichtlich von Bedeutung. Dieser Befund ist insofern sehr wichtig, weil den Juden im Laufe der Kirchengeschichte von den Christen ihre Erwählung weitestgehend abgesprochen und die Gültigkeit der Bünde Gottes mit Israel verleugnet wurde. Gerade die Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land der Väter während der vergangenen 150 Jahre zeugt davon, dass sich viele biblische Prophezeiungen erfüllen und diese aktueller denn je sind.

Karl Klanner

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